Kategorie: Gedenken

Opfertausch in Buchenwald – Legende oder Wirklichkeit?

Die SZ online berichtet über den Prozess gegen Gedenkstettenleiter und Historiker Volkhard Knigge. Der wurde vom  ”Kind von Buchenwald” Stefan Jerzy Zweig verklagt. Der Überlebende des Holocaust sollte 1944 von Buchenwald nach Auschwitz deportiert werden. Sein Vater hat mit Hilfe kommunistischer Häftlinge seinen Abtransport verhindet. Volkhard Knigge verwendet für dieses Ereigniss den Begriff des “Opfertausches”, da Zweigs Name mit dem  des Sinti und Roma Jungen Willy Blum auf der Transportliste ersetzt wurde. Gegen diesen Begiff wehrt sich Zweig mit einer Klage. Das Verfahren endet mit einer Einigung: Knigge verspricht den Begriff Opfertausch nicht mehr zu verwenden. Nähere Infos hier:

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-buchenwald-gedenken-kz-ueberlebender-wehrt-sich-gegen-begriff-des-opfertauschs-1.1293326

Dieser Fall verdeutlicht, wie sehr die Erzählungen über vergangene Ereignisse sich widersprechen können bzw. widerstreitende Perspektiven inne haben können. Für Knigge als Historiker ist das Ereigniss des Opfertausches in Buchenwald “wirklich” und “wahr”, für den Holocaust-Überlebenden Zweig ist diese Interpretation der Ereignisse jedoch ein Angriff auf seine persönliche Erinnerung, indem  mit diesem Begriff ihm implizit eine Teilschuld gegeben wird an dem Tod des Jungen, der statt seiner nach Auschwitz transportiert wurde.

Die Vergangenheit ganz nah. Mein Facebook-Freund Henio Żytomirski

Seit dem 16. Dezember 2010 habe ich einen neuen Freund. Er heißt Henio Żytomirski und ist 1933 in Lublin geboren. Das ist zunächst nichts Besonderes und bietet auch noch keinen interessanten Forschungsgegenstand. Was Henio jedoch von all meinen anderen Freunden unterscheidet, ist, dass er mit 8 Jahren im Konzentrationslager Majdanek ermordet worden ist. In seinem Leben wäre ich ihm nicht begegnet, er begegnet mir aber in meinem Leben, er ist mein Facebook-Freund: Ich schaue mir seine virtuellen Familienfotos an und kann mit ihm chatten. Und zwischendurch schreibt Henio an seine (virtuelle Pinnwand), was er erlebt hat/bzw. erlebt, wenn wir jetzt in seiner Zeit wären. Natürlich ist es nicht der tote, jüdische Junge, der über die zeitliche Distanz von fast 70 Jahren im Internet von seinem Leben berichtet. Sein Facebook-Profil ist erschaffen worden vom Kulturzentrum Brama Grodzka – Teatr NN aus Lublin, welches das Ziel verfolgt durch Henios Lebensgeschichte an Lubliner Juden zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Dennoch sind es nicht die Mitarbeiter des Kulturzentrums mit denen ich kommuniziere, sondern mein Facebook-Freund Henio. Dabei scheint der lineare Zeitstrahl bei dieser Freundschaft aufgehoben und Vergangenheit und Gegenwart sind, wenn nicht ununterscheidbar so aber doch ganz nah.

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Transnationale Erinnerung an die Shoah

Wir befinden uns in einer Epoche des Gedenkens. Inzwischen gibt es in den unterschiedlichen Ländern auf der ganzen Welt, Holocaust Memorial Museums. Im Januar 2000 gab es eine internationale Holocaust-Konferenz in Stockholm, zu der ca. 600 Deligierte, darunter überwiegend europäische Politiker, Wissenschaftler und Zeitzeugen aus über 40 Nationen zusammen kamen. Den Abschluss dieser Konferenz bildet die Verabschiedung einer gemeinsamen Deklaration zur Bekämpfung jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Für viele Forscher bildet diese Konferenz einen Wendepunkt im Erinnerungsdiskurs, weg von nationalen hin zu globalen Gedächtnisformen.

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Das kulturelle Gedächtnis der DDR und ihr Gründungsmythos

Die DDR wählte, ebenso wie die Bundesrepublik, den Nationalsozialismus als Bezugspunkt und legitimierte sich als Nation über ihre Interpretation der Ursachen des Faschismus. Beide deutsche Staaten entwarfen Geschichtsbilder nach den Bedürfnissen ihrer Identitätskonstitution. Dabei war es besonders wichtig, die Abkehr vom Nationalsozialismus mit einer für die Bevölkerung akzeptablen Erzählung zu verbinden.

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