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		<title>Die Vergangenheit  ganz nah. Mein Facebook-Freund Henio Żytomirski</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 13:59:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>V_Sommer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit dem 16. Dezember 2010 habe ich einen neuen Freund. Er hei&#223;t Henio Żytomirski und ist 1933 in Lublin geboren. Das ist zun&#228;chst nichts Besonderes und bietet auch noch keinen interessanten Forschungsgegenstand. Was Henio jedoch von all meinen anderen Freunden unterscheidet, ist, dass er mit 8 Jahren im Konzentrationslager Majdanek ermordet worden ist. In seinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;">Seit dem 16. Dezember 2010 habe ich einen neuen Freund. Er hei&#223;t Henio Żytomirski und ist 1933 in Lublin geboren. Das ist zun&#228;chst nichts Besonderes und bietet auch noch keinen interessanten Forschungsgegenstand. Was Henio jedoch von all meinen anderen Freunden unterscheidet, ist, dass er mit 8 Jahren im Konzentrationslager Majdanek ermordet worden ist. In seinem Leben w&#228;re ich ihm nicht begegnet, er begegnet mir aber in meinem Leben, er ist mein Facebook-Freund: Ich schaue mir seine virtuellen Familienfotos an und kann mit ihm chatten. Und zwischendurch schreibt Henio an seine (virtuelle Pinnwand), was er erlebt hat/bzw. erlebt, wenn wir jetzt in seiner Zeit w&#228;ren. Nat&#252;rlich ist es nicht der tote, j&#252;dische Junge, der<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>&#252;ber die zeitliche Distanz von fast 70 Jahren im Internet von seinem Leben berichtet. Sein Facebook-Profil ist erschaffen worden vom Kulturzentrum Brama Grodzka &#8211; Teatr NN aus Lublin, welches das Ziel verfolgt durch <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Henios Lebensgeschichte an Lubliner Juden zu erinnern, die<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Dennoch sind es nicht die Mitarbeiter des Kulturzentrums mit denen ich kommuniziere, sondern mein Facebook-Freund Henio. Dabei scheint der lineare Zeitstrahl bei dieser Freundschaft aufgehoben und Vergangenheit und Gegenwart sind, wenn nicht ununterscheidbar so aber doch ganz nah.<span id="more-74"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;">Dennoch ist nicht zu vergessen, dass Erinnern an Vergangenes immer von einem gegenw&#228;rtigen Punkt aus geschieht. Schon der Vater der modernen sozial- und kulturwissenschaftlichen Ged&#228;chtnistheorien Maurice Halbwachs betonte die Rekonstruktion der Vergangenheit in der Gegenwart (2008 <span style="mso-ascii-font-family: Calibri; mso-hansi-font-family: Calibri; mso-bidi-font-family: Calibri;">[1925])</span>. Erinnerung l&#228;sst sich dahingehend auch als ein<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Prozess der &#220;berwindung von zeitlicher und r&#228;umlicher Distanz zwischen dem Erinnernden und dem zu erinnernden Ereignis umschreiben. Es verwundert daher nicht, dass gerade im wissenschaftlichen Ged&#228;chtnis- und Erinnerungsdiskurs h&#228;ufig Metaphern des Raumes und des Ortes als Beschreibung f&#252;r den Prozess des individuellen aber auch des kollektiven Erinnerns dienen, wie etwa Pierre Noras Konzept der lieux de m<span style="mso-bidi-font-family: Calibri; mso-bidi-theme-font: minor-latin;">é</span>moire (2005) oder Aleida Assmanns Begriff der Erinnerungsr&#228;ume (2003). Im Kontrast dazu steht die Charakterisierung des Internets als ein zeitliche und r&#228;umliche Grenzen &#252;berschreitendes Medium (vgl. Erll 2004). Wenn es jedoch keinen Raum gibt, kann durch das Erinnern auch keine Distanz &#252;berwunden werden. Erzeugen digitale Medien daher absolute Gegenwarten, wie einige Forscher vermuten (vgl. etwa Flusser 2000, 2003; Osten 2004) Das Beispiel von Henio scheint dies zu widerlegen. Zudem spielen auch in der Beschreibung der verschiedenen Online-Angebote Raum-Metaphern eine zentrale Rolle: Chattrooms, Cyberspace, Online Foren, Plattformen, Portale, um nur einige Beispiele zu nennen (vgl. Becker 2004).</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;">Anlehnend an den genannten Raum-Metaphern kann man das Fallbeispiel als einen virtuellen Erinnerungsort verstehen, anders aber, als in nicht-digitalen Ged&#228;chtnis- oder Erinnerungsorten, wie z.B KZ-Gedenkst&#228;tten, gibt es keine physische Ausdehnung, auch ist er an keinen geographischen Ort angekoppelt. Vielmehr kann man ihn als Kommunikations- und Interaktions-Ort begreifen, denn ich interagiere mit Henio und mit seinen anderen Facebook-Freunden. Durch diese Interaktionen entsteht eine N&#228;he, welche bestimmt ist von dem Fallbeispiel als virtueller Ort der Erinnerung aber auch von der spezifischen Medialit&#228;t des Online-Dokuments.</p>
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		<title>Transnationale Erinnerung an die Shoah</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 20:17:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>V_Sommer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir befinden uns in einer Epoche des Gedenkens. Inzwischen gibt es in den unterschiedlichen L&#228;ndern auf der ganzen Welt, Holocaust Memorial Museums. Im Januar 2000 gab es eine internationale Holocaust-Konferenz in Stockholm, zu der ca. 600 Deligierte, darunter &#252;berwiegend europ&#228;ische Politiker, Wissenschaftler und Zeitzeugen aus &#252;ber 40 Nationen zusammen kamen. Den Abschluss dieser Konferenz bildet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Wir befinden uns in einer Epoche des Gedenkens. Inzwischen gibt es in den unterschiedlichen L&#228;ndern auf der ganzen Welt, Holocaust Memorial Museums. Im Januar 2000 gab es eine internationale Holocaust-Konferenz in Stockholm, zu der ca. 600 Deligierte, darunter &#252;berwiegend europ&#228;ische Politiker, Wissenschaftler und Zeitzeugen aus &#252;ber 40 Nationen zusammen kamen. Den Abschluss dieser Konferenz bildet die Verabschiedung einer gemeinsamen Deklaration zur Bek&#228;mpfung jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. F&#252;r viele Forscher bildet diese Konferenz einen Wendepunkt im Erinnerungsdiskurs, weg von nationalen hin zu globalen Ged&#228;chtnisformen.<span id="more-54"></span></p>
<p style="text-align: justify;">
Das Gedenken an und die Vermittlung des historischen Ereignis – der nationalsozialistische V&#246;lkermord an sechs Millionen Juden &#8211; scheint zumindest in den westlichen Nationen wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur zu sein. Angesichts der beschriebenen Entwicklungen, stellt sich die Frage, ob sich in der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere an die Shoah ein nationen&#252;bergreifendes, transnationales Ged&#228;chtnis herausgebildet hat. Allerdings sind Begriffe wie Universalisierung, Globalisierung, Europ&#228;isierung, Kosmopolitisierung oder Transnationalisierung der Erinnerung meines Erachtens empirisch noch nicht ausreichend fundiert.</p>
<p style="text-align: justify;">
Auch die Bedeutung der Begriffe kulturelle, kollektive oder auch soziale Erinnerungen sind in ihrer Verwendung nicht immer eindeutig bzw. mehrdeutig. Ursache f&#252;r diese Uneindeutigkeit sind vor allem die Vielzahl der zum Teil sehr heterogenen Konzepte und Definitionen. Wichtige Grundlage bilden folgende  Begriffsdimensionen: Erinnern ein Prozess ist, Erinnerungen dessen Ergebnisse sind und das Ged&#228;chtnis eine F&#228;higkeit oder eine ver&#228;nderliche Struktur ist, welches nicht beobachtet werden kann.</p>
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		<title>Pierre Noras lieux de mémoire</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2009 20:22:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>V_Sommer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pierre Noras Konzept der lieux de mémoire, der Erinnerungsorte nimmt die Halbwachssche Trennung zwischen Geschichte und Ged&#228;chtnis auf. Erinnerungsorte „k&#246;nnen geographische Orte, Geb&#228;ude, Denkm&#228;ler und Kunstwerke ebenso umfassen wie historische Pers&#246;nlichkeiten, Gedenktage, philosophische und wissenschaftliche Texte oder symbolische Handlungen.“ (Erll 2005: 23). Diese Orte konstituieren kein kollektives Ged&#228;chtnis, sondern sind vielmehr als &#220;berbleibsel eines nationalen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Pierre Noras Konzept der lieux de mémoire, der Erinnerungsorte nimmt die Halbwachssche Trennung zwischen Geschichte und Ged&#228;chtnis auf. Erinnerungsorte „k&#246;nnen geographische Orte, Geb&#228;ude, Denkm&#228;ler und Kunstwerke ebenso umfassen wie historische Pers&#246;nlichkeiten, Gedenktage, philosophische und wissenschaftliche Texte oder symbolische Handlungen.“ (Erll 2005: 23). Diese Orte konstituieren kein kollektives Ged&#228;chtnis, sondern sind vielmehr als &#220;berbleibsel eines nationalen Ged&#228;chtnisses, welches sich im 20. Jahrhundert zerf&#228;llt. „F&#252;r Nora befindet sich die heutige Gesellschaft in einem &#220;bergangsstadium, in dem die Verbindung zur lebendigen, gruppen- und nationenspezifischen, identit&#228;tsbildenden Vergangenheit abrei&#223;t. Daher fungieren Erinnerungsorte als eine Art k&#252;nstlicher Platzhalter f&#252;r das nicht mehr vorhandene, nat&#252;rliche kollektive Ged&#228;chtnis.“ (Erll 2005: 23)</p>
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		<title>Das kulturelle Ged&#228;chtnis der DDR und ihr Gr&#252;ndungsmythos</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Mar 2009 20:24:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die DDR w&#228;hlte, ebenso wie die Bundesrepublik, den Nationalsozialismus als Bezugspunkt und legitimierte sich als Nation &#252;ber ihre Interpretation der Ursachen des Faschismus. Beide deutsche Staaten entwarfen Geschichtsbilder nach den Bed&#252;rfnissen ihrer Identit&#228;tskonstitution. Dabei war es besonders wichtig, die Abkehr vom Nationalsozialismus mit einer f&#252;r die Bev&#246;lkerung akzeptablen Erz&#228;hlung zu verbinden.
Die DDR w&#228;hlte einen ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die DDR w&#228;hlte, ebenso wie die Bundesrepublik, den Nationalsozialismus als Bezugspunkt und legitimierte sich als Nation &#252;ber ihre Interpretation der Ursachen des Faschismus. Beide deutsche Staaten entwarfen Geschichtsbilder nach den Bed&#252;rfnissen ihrer Identit&#228;tskonstitution. Dabei war es besonders wichtig, die Abkehr vom Nationalsozialismus mit einer f&#252;r die Bev&#246;lkerung akzeptablen Erz&#228;hlung zu verbinden.<span id="more-42"></span></p>
<p>Die DDR w&#228;hlte einen ganz bestimmten Gr&#252;ndungsmythos, welcher die Grundlage f&#252;r ihr Selbstverst&#228;ndnis war und ihren Bewohnern Ankn&#252;pfungspunkte geben sollte, um ein Wir-Bewusstsein zu entwickeln. Die Deutung des Nationalsozialismus erfolgte im Rahmen des Antifaschismus (vgl. Sabrow 2006: 139 ff.; Schmid 2004: 12 ff.; M&#252;nkler 1996: 460; Maaz 1993: 163;). Im offiziellen Geschichtsverst&#228;ndnis war die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 vor allem das Werk des Finanzkapitals, welches mit der Aufstellung des faschistischen ‚Hitler-Regimes‘ seine von der proletarischen Revolution der KPD bedrohte Herrschaft sichern wollte. Faschismus und Kapitalismus waren untrennbar miteinander verbunden, denn Hitler war ein Agent des Finanzkapitals und die Hauptgegner des Faschismus war diesem Gr&#252;ndungsmythos zufolge die Arbeiterklasse. Deren Mitglieder z&#228;hlten in den Darstellungen im Gegensatz zu Bauern, Handwerkern, Gesch&#228;ftsleuten, Beamten und Angestellten nur in ganz kleiner Zahl zu den Anh&#228;ngern des nationalsozialistischen Systems. So war die Zeit zwischen 1933 und 1945 im Geschichtsbild der DDR ein ununterbrochener Kampf zwischen kommunistischen Widerstandsk&#228;mpfern und imperialistischen Eliten, den die antifaschistischen K&#228;mpfer Seite an Seite mit der Roten Armee gewannen.</p>
<p>Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, dessen F&#252;hrung die Nationalsozialisten besiegt hatte. Die BRD hingegen galt als kapitalistisch-imperialistischer Staat, in dem sich das NS-Regime fortsetzte. Mit dieser Deutung geh&#246;rte der Nationalsozialismus nicht mehr zur ‚Eigengeschichte‘ der DDR.<br />
Viele Mitglieder aus der F&#252;hrungsriege der SED hatten dem Historikers J&#252;rgen Danyel zufolge ein Gef&#252;hl moralischer &#220;berlegenheit, da sie nicht nur von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, sondern auch aktiv gegen sie gek&#228;mpft hatten (Danyel 1995: 33). Doch ein Gro&#223;teil der deutschen Bev&#246;lkerung hatte, wie M&#252;nkler richtig bemerkt, zwischen 1933 und 1945 keinen Widerstand geleistet. &#8220;Es waren somit einige wenige, die als beispielhaft und vorbildlich herausgestellt werden mussten, damit sich die gro&#223;e Mehrheit der Bev&#246;lkerung in eine Tradition stellen konnte, die in den wenigsten F&#228;llen tats&#228;chlich die ihre war.&#8221; (M&#252;nkler 1996: 462)</p>
<p>Mit dem antifaschistischen Gr&#252;ndungsmythos wurde ein Deutungsangebot f&#252;r die Bev&#246;lkerung geschaffen, die sich durch die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand mit dem eigentlich negativen Fixpunkt Nationalsozialismus identifizieren konnte. Als Gr&#252;ndungsmythos hatte dieser jedoch noch eine weitere wichtige Funktion: Er legitimierte auch den neuen Staat, denn durch die gesetzte Erinnerung an den Widerstand der KPD, deren Mitglieder die Hauptlast der Opfer getragen haben sollen, bestand so die Berechtigung f&#252;r ihre politische F&#252;hrung in dem ostdeutschen Staat. Die SPD hingegen hatte im Kampf gegen den Faschismus versagt. Somit konnte die Vereinigung dieser beiden Parteien zur SED unter politischer F&#252;hrung der Kommunisten durch den Mythos begr&#252;ndet werden</p>
<p>Literatur:</p>
<p>Danyel, J&#252;rgen, 1995: Die Opfer- und Verfolgtenperspektive als Gr&#252;ndungskonsens? Zum Umgang mit der Widerstandstradition und der Schuldfrage in der DDR. S. 31–46 in: J&#252;rgen Danyel (Hg.), Die geteilte Vergangenheit. Zum Umgang mit Nationalsozialismus und Widerstand in beiden deutschen Staaten. Zeithistorische Studien; 4. Berlin: Akad.-Verlag</p>
<p>Maaz, Hans-Joachim, 1993: Zur psychischen Verarbeitung des Holocaust in der DDR.<br />
S. 163–168 in: Bernhard Moltmann (Hg.), Erinnerung. zur Gegenwart des Holocaust in<br />
Deutschland-West und Deutschland-Ost. Arnoldshainer Texte; 79. Frankfurt am Main:<br />
Haag + Herchen.</p>
<p>M&#252;nkler, Herfried, 1996: Das kollektive Ged&#228;chtnis der DDR. S. 458–468 in: Dieter Vorsteher (Hg.), Parteiauftrag ein neues Deutschland. Bilder, Rituale und Symbole der fr&#252;hen DDR. M&#252;nchen: Koehler &amp; Amelang.</p>
<p>Sabrow, Martin, 2006: Die NS-Vergangenheit in der geteilten deutschen Geschichtskultur. S. 132–151 in: Christoph Kle&#223;mann (Hg.), Teilung und Integration. Die doppelte deutsche Nachkriegsgeschichte als wissenschaftliches und didaktisches Ph&#228;nomen. Reihe Politik und Bildung; 41. Schwalbach/Ts.: Wochenschau-Verlag</p>
<p>Schmid, Harald, 2004: Antifaschismus und Judenverfolgung: Die „Reichskristallnacht“ als politischer Gedenktag in der DDR. 1. Aufl. Berichte und Studien / Hannah-Arendt-Institut f&#252;r Totalirismusforschung, 43. G&#246;ttingen: V &amp; R Unipress.</p>
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		<title>Der Gr&#252;ndungsmythos einer Nation</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 20:07:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Gründungsmythos]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturelles Gedächtnis]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

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		<description><![CDATA[Kollektive Handlungssubjekte, wie etwa Nationen, konstituieren ihre Identit&#228;t mit dem kulturellen Funktionsged&#228;chtnis, indem sie sich eine bestimmte Vergangenheits-konstruktion zurechtlegen. Das Speicherged&#228;chtnis hingegen fundiert nicht die Identit&#228;t, vielmehr besteht seine Funktion darin, das zu erhalten, was das Funktionsged&#228;chtnis nicht zul&#228;sst.
Ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Ged&#228;chtnisses einer Nation ist ihr politischer Gr&#252;ndungsmythos. Der Begriff politischer Mythos wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kollektive Handlungssubjekte, wie etwa Nationen, konstituieren ihre Identit&#228;t mit dem kulturellen Funktionsged&#228;chtnis, indem sie sich eine bestimmte Vergangenheits-konstruktion zurechtlegen. Das Speicherged&#228;chtnis hingegen fundiert nicht die Identit&#228;t, vielmehr besteht seine Funktion darin, das zu erhalten, was das Funktionsged&#228;chtnis nicht zul&#228;sst.<span id="more-37"></span></p>
<p>Ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Ged&#228;chtnisses einer Nation ist ihr politischer Gr&#252;ndungsmythos. Der Begriff politischer Mythos wird nach M&#252;nkler, definiert als eine Erz&#228;hlung, die nicht zwingend das von der Geschichtswissenschaft verf&#252;gbar gemachte Wissen beinhaltet. Vielmehr werden Ereignisse &#252;berdehnt, &#252;berzeichnet und personalisiert.</p>
<p>&#8220;In diesem Sinne ziehen politische Mythen die verbindlichen Lehren der Geschichte oder geben innerweltliche Heilsversprechen, sie berichten von den Werten und Normen, an denen sich die politische Gemeinschaft in schwierigen Zeiten orientieren muss, wenn sie erfolgreich fortbestehen will, und stellen den Gegenw&#228;rtigen die Fr&#252;heren als leuchtende Vorbilder hin, an deren Handeln sich die Heutigen orientieren.&#8221; (M&#252;nkler 1996: 461)</p>
<p>Politische Mythen wirken auf das kulturelle und kommunikative Ged&#228;chtnis ein und pr&#228;gen so die politische Identit&#228;t und das Selbstverst&#228;ndnis eines Staates (vgl. M&#252;nkler 2000: 44). F&#252;r das kulturelle Ged&#228;chtnis sind diese Gr&#252;ndungsmythen das, was Jan Assmann die Fixpunkte nennt.</p>
<p>Literatur:</p>
<p>M&#252;nkler, Herfried, 1996: Das kollektive Ged&#228;chtnis der DDR. S. 458–468 in: Dieter Vorsteher (Hg.), Parteiauftrag ein neues Deutschland. Bilder, Rituale und Symbole der fr&#252;hen DDR. M&#252;nchen: Koehler &amp; Amelang.</p>
<p>M&#252;nkler, Herfried, 2000: Wirtschaftswunder oder antifaschistischer Widerstand &#8211; politische Gr&#252;ndungsmythen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. S. 41–65 in: Hartmut Esser (Hg.), Der Wandel nach der Wende. Gesellschaft, Wirtschaft, Politik in Ostdeutschland. Wiesbaden: Westdt. Verlag</p>
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		<title>Maurice Halbwachs</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 20:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>V_Sommer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Gedächtnis]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppen]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Assmann]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Maurice Halbwachs]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Der franz&#246;sische Soziologe Maurice Halbwachs f&#252;hrte in den 1930er Jahren den Begriff des kollektiven Ged&#228;chtnisses. Mit diesem Begriff verwies er auf die soziale Bedingtheit von Erinnerung. D.h. jede Gruppe von Menschen erbringt eine gemeinsame Ged&#228;chtnisleistung und bildet so ein kollektives Erinnern heraus, welches im individuellen Bewusstsein verwirklicht wird.
Das Individuum selbst ist Halbwachs zufolge zwar Tr&#228;ger seiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der franz&#246;sische Soziologe <strong>Maurice Halbwachs </strong>f&#252;hrte in den 1930er Jahren den Begriff des kollektiven Ged&#228;chtnisses. Mit diesem Begriff verwies er auf die soziale Bedingtheit von Erinnerung. D.h. jede Gruppe von Menschen erbringt eine gemeinsame Ged&#228;chtnisleistung und bildet so ein kollektives Erinnern heraus, welches im individuellen Bewusstsein verwirklicht wird.<span id="more-13"></span></p>
<p>Das Individuum selbst ist Halbwachs zufolge zwar Tr&#228;ger seiner Erinnerungen, jedoch sind der Inhalt sowie die Form sozial vermittelt. Die Gruppen bilden daf&#252;r die sozialen Rahmen, innerhalb derer Menschen mittels Kommunikation und Interaktion ihr Ged&#228;chtnis herausbilden. Wenn diese Rahmen zerfallen oder das Individuum aus ihnen austritt, verblassen die Erinnerungen bis hin zum Vergessen.</p>
<p>Das kollektive Ged&#228;chtnis einer Gruppe generiert somit auch ihren Zusammenhalt, da durch gemeinsame Erinnerungen ihre Eigenarten gesichert werden. Das hei&#223;t jedoch, dass die Vergangenheit nicht als solche gegeben ist. Vielmehr ist sie ein Produkt der Gegenwart und wird nach bestimmten Sinnbed&#252;rfnissen der jeweiligen Gruppe rekonstruiert.</p>
<p>Folgt man Halbwachs&#8217; Annahme, so ist davon auszugehen, dass in einem kollektiven Ged&#228;chtnis keine wahren, unverf&#228;lschten, also Tatsachen umschreibenden Geschichtsbilder der Vergangenheit erinnert werden. Vielmehr werden Rekonstruktionen nach den speziellen Bed&#252;rfnissen der jeweiligen Gruppe herausgebildet.</p>
<p>Besonders  traurig im Zusammenhang mit Halbwachs Biographie ist, dass &#8220;der Entdecker der sozialen Dimension des Ged&#228;chtnisses&#8221; (J.Assmann 2005: 77) selbst lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Erst vierzig Jahre nach seinem Tod , fand seine Ged&#228;chtnistheorie Eingang in die wissenschaftliche Rezeption. Er selbst starb am 15.03.1945 im KZ Buchenwald, in dem er seit 20. August 1944 inhaftiert war. Die gro&#223;e Resonanz auf seiner Thesen in den Diskussionen um das Gedenken ist nicht zu letzt der Verdienst von Jan Assman. Der inzwischen ebenso wie Halbwachs zu einem &#8220;Klassiker&#8221; der Theorien rund um das Erinnern geworden ist.</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Halbwachs, Maurice, 2006: <em>Das Ged&#228;chtnis und seine sozialen Bedingungen</em>. [Nachdr.]. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 538. Frankfurt am Main: Suhrkamp</p>
<p>Halbwachs, Maurice, 1985: <em>Das kollektive Ged&#228;chtnis</em>. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main</p>
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		<title>Das kulturelle Funktions- und das kulturelle Speicherged&#228;chtnis</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 19:56:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jan Assmann &#252;bernimmt Halbwachs&#8217; These von dem Primat der Gegenwart &#252;ber die Vergangenheit, deren Darstellung immer von spezifischen Motiven, Erwartungen, Hoffnungen und Zielen geleitet ist, sowie von einem gegenw&#228;rtigen Bezugsrahmen geformt wird (vgl. J.Assmann 1992: 88).
Allerdings bezweifelt er, dass die Vergangenheit nur reine Rekonstruktivit&#228;t ist. Seines Erachtens hat die Vergangenheit auch Einfluss auf die Gegenwart. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jan Assmann &#252;bernimmt Halbwachs&#8217; These von dem Primat der Gegenwart &#252;ber die Vergangenheit, deren Darstellung immer von spezifischen Motiven, Erwartungen, Hoffnungen und Zielen geleitet ist, sowie von einem gegenw&#228;rtigen Bezugsrahmen geformt wird (vgl. J.Assmann 1992: 88).</p>
<p>Allerdings bezweifelt er, dass die Vergangenheit nur reine Rekonstruktivit&#228;t ist. Seines Erachtens hat die Vergangenheit auch Einfluss auf die Gegenwart. Aleida Assmann schr&#228;nkt jedoch ein, dass, wann und wie bestimmte historische Ereignisse erinnert werden, davon abh&#228;ngig ist, ob Gruppen sie „zu relevanten und bleibenden Bezugspunkten ihres historischen Selbstverst&#228;ndnisses gemacht haben.“ (A.Assmann 2004: 5) <span id="more-32"></span></p>
<p>Das kulturelle Ged&#228;chtnis ist zwar festgelegt auf unverr&#252;ckbare Fixpunkte und Wissensbest&#228;nde, doch die Gegenwart „setzt sich dazu in aneignende, auseinandersetzende, bewahrende und ver&#228;ndernde Beziehung.“ (J.Assmann 1988: 13) Es umfasst nicht die Summe des verf&#252;gbaren historischen Wissens, und es bietet auch keine objektiven Abbilder der Vergangenheit, sondern ist vielmehr auf die gegenw&#228;rtigen Bed&#252;rfnisse der Identit&#228;t von sozialen Gruppen ausgerichtet. Ver&#228;ndert sich die Gruppe in ihrer Identit&#228;t, ver&#228;ndern sich auch die Fixpunkte (vgl. A.Assmann 2004: 6).</p>
<p>Diese werden jedoch nicht f&#252;r immer vergessen, da es im kulturellen Ged&#228;chtnis zwei Modi gibt: Zum einen den Modus der Potentialit&#228;t als Totalhorizont angesammelter Texte, Bilder und Handlungsmuster und zum anderen den Modus der Aktualit&#228;t, d.h. von einer jeweiligen Gegenwart aus wird ein Bestand an objektiviertem Sinn aktualisiert (vgl. J.Assmann 1988: 13).</p>
<p>Ausgehend davon unterscheidet Aleida Assmann zwischen einem kulturellen Funktions- und einem kulturellen Speicherged&#228;chtnis (vgl. A.Assmann 1999: 134 ff.; A.Assmann 2004: 24). W&#228;hrend im kulturellen Speicherged&#228;chtnis &#220;berlieferungsbest&#228;nde bewahrt werden, die nicht mehr gebraucht werden, versch&#252;ttet oder vergessen sind, umfasst das kulturelle Funktionsged&#228;chtnis hingegen die von einer Gesellschaft tats&#228;chlich gebrauchten, zirkulierenden und ‚bewohnten‘ &#220;berlieferungsbest&#228;nde, d.h. es ist immer verbunden mit einem Tr&#228;ger, der eine Gruppe, eine Institution oder ein Individuum sein kann. Demgegen&#252;ber ist das Speicherged&#228;chtnis losgel&#246;st von einem spezifischen Tr&#228;ger, da in ihm Best&#228;nde gespeichert sind, die den vitalen Bezug zur Gegenwart verloren haben.</p>
<p>Das Funktionsged&#228;chtnis ist sehr selektiv, da es immer nur einen kleinen Teil des m&#246;glichen Erinnerungsgehalts umfasst. Das Speicherged&#228;chtnis ist das Reservoir zuk&#252;nftiger Funktionsged&#228;chtnisse, da seine Best&#228;nde Ressourcen der Erneuerung sind. So wird die M&#246;glichkeit des kulturellen Wandels geschaffen. Das kulturelle Ged&#228;chtnis deckt sich also nicht vollst&#228;ndig mit dem, was innerhalb einer Gruppe an Sinn zirkuliert, sondern speichert auch das Vergessene.</p>
<p>Literatur:<br />
Assmann, Aleida, 1999: Erinnerungsr&#228;ume: Formen und Wandlungen des kulturellen Ged&#228;chtnisses. Broschierte Sonderausg. C. H. Beck Kulturwissenschaft. M&#252;nchen: Beck.</p>
<p>Assmann, Aleida, 2004: Das kulturelle Ged&#228;chtnis an der Milleniumsschwelle: Krise und Zukunft der Bildung. Konstanzer Universit&#228;tsreden, 216. Konstanz: Univ.Verlag Konstanz</p>
<p>Assmann, Jan, 1988: Kollektives Ged&#228;chtnis und kulturelle Identit&#228;t. S. 9–19 in: Jan Assmann und Tonio H&#246;lscher (Hg.), Kultur und Ged&#228;chtnis. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.</p>
<p>Assmann, Jan, 1992: Das kulturelle Ged&#228;chtnis: Schrift, Erinnerung und politische Identit&#228;t in fr&#252;hen Hochkulturen. C. H. Beck Kulturwissenschaft. M&#252;nchen: Beck.</p>
<p>Assmann, Jan und Tonio H&#246;lscher (Hg.), 1988: Kultur und Ged&#228;chtnis. 1. Aufl. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.</p>
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		<title>Das kulturelle Ged&#228;chtnis</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 19:50:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gemeinsam mit seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann, begr&#252;ndete der &#196;gyptologe Jan Assmann den Begriff des kulturellen Ged&#228;chtnisses. Die in der Definition dieses Begriffes enthaltene grundlegende Annahme  ist, dass sich das Bewusstsein und das Ged&#228;chtnis des Einzelnen nur durch die Teilnahme an Interaktionen und kommunikativen Prozessen mit anderen Individuen aufbauen k&#246;nnen. Damit folgen Assmanns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gemeinsam mit seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann, begr&#252;ndete der &#196;gyptologe Jan Assmann den Begriff des kulturellen Ged&#228;chtnisses. Die in der Definition dieses Begriffes enthaltene grundlegende Annahme  ist, dass sich das Bewusstsein und das Ged&#228;chtnis des Einzelnen nur durch die Teilnahme an Interaktionen und kommunikativen Prozessen mit anderen Individuen aufbauen k&#246;nnen. Damit folgen Assmanns dem Soziologen Maurice Halbwachs.<span id="more-26"></span></p>
<p>Jan Assmann kritisiert aber an diesem Ged&#228;chtniskonzept, dass sich Halbwachs auf konkrete, d.h. Face-to-face Gruppen beschr&#228;nkt und seine Theorie nicht zu einer verallgemeinernden Kulturtheorie ausbaut. Dadurch wird die Perspektive der kulturellen Evolution ausgeklammert; denn das kollektive Ged&#228;chtnis im Halbwachsschen Sinne erfasst vor allem &#196;hnlichkeiten und Kontinuit&#228;ten innerhalb einer Gruppe, nicht aber ihren Wandel.</p>
<p>Jan Assmann grenzt sich von Halbwachs ab, indem er die These vertritt, dass das Erinnern „nicht nur sozial, sondern auch kulturell determiniert [ist], und andererseits [...] Kultur nicht einfach Wissen wie jedes andere Wissen auch, sondern auf ein Selbstbild bezogen und insofern eine Form von Ged&#228;chtnis [ist].“ (J.Assmann 2005: 78) Um Halbwachs&#8217; Ged&#228;chtnistheorie zu erweitern, unterscheidet er in seinem Konzept das kommunikative und das kulturelle Ged&#228;chtnis.</p>
<p>Wichtige Merkmale des kommunikativen Ged&#228;chtnisses sind seine Gruppenbezogenheit und Unspezialisiertheit, da es sich aus der Alltagskommunikation in einem Milieu r&#228;umlicher N&#228;he, regelm&#228;&#223;iger Interaktionen, gemeinsamer Lebensformen und geteilter Erfahrungen aufbaut. Es speichert Best&#228;nde, die sich auf eine ‚lebendige‘ Vergangenheit beziehen, d.h. auf Erinnerungen an Ereignisse, die der Mensch mit seinen Zeitgenossen teilt. Ein typischer Fall f&#252;r Jan Assmann ist das Generationenged&#228;chtnis, an dem besonders deutlich wird, dass die Erinnerungen nur begrenzt haltbar sind. Sterben seine Tr&#228;ger, weicht es einem neuen Ged&#228;chtnis (J.Assmann 1992: 50).</p>
<p>Wichtige Merkmale des kulturellen Ged&#228;chtnisses sind seine Spezialisiertheit, seine Alltagsferne und seine Institutionalisierung. Es hat die Funktionen sowohl Innovation als auch Kontinuit&#228;t im Bereich der individuellen und kollektiven Identit&#228;t zu erm&#246;glichen (vgl. J.Assmann 1988: 12).</p>
<p>Individuelle und kollektive Identit&#228;ten sind voneinander abh&#228;ngig, denn das ‚Ich‘, so Jan Assmanns These, bildet sich durch die Teilnahme an Interaktions- und Kommunikationsprozessen von Gruppen, zu denen es geh&#246;rt. Kollektive Identit&#228;ten existieren nicht au&#223;erhalb der Individuen, denn diese tragen und konstituieren das ‚Wir‘. Identit&#228;t ist also ein gesellschaftliches Konstrukt und als solches kulturell bestimmt, da die Prozesse der Individuation und der Sozialisation „in kulturell vorgezeichneten Bahnen“ verlaufen (J.Assmann 1992: 132).</p>
<p>Der Einzelne wird in seinem Ich-Bewusstsein von der Gesellschaft und der Kultur gepr&#228;gt, doch er entwickelt nicht notwendigerweise ein Wir-Bewusstsein. Erst durch eine Bewusstmachung der Zugeh&#246;rigkeit zu einer Gesellschaft und deren Kultur kann sich diese zu einer Wir-Identit&#228;t steigern. Die Voraussetzung f&#252;r ein Wir-Bewusstsein ist eine ,symbolische Sinnwelt‘ – also die kulturelle Identit&#228;t, welche als eine reflexiv gewordene Teilhabe an einer Kultur beschrieben werden kann und die Vorbedingung f&#252;r Interaktions- und Kommunikationsprozesse ist.</p>
<p>Diese ,symbolische Sinnwelt‘ besteht aus historischen Ereignissen, die das kulturelle Ged&#228;chtnis nicht als solche erh&#228;lt, sondern zu symbolischen Figuren formt (J.Assmann 1992: 52). W&#228;hrend der Erinnerungshorizont mit der fortschreitenden Gegenwart wandert, sind die symbolischen Figuren im kulturellen Ged&#228;chtnis Fixpunkte. Sie entstehen aus schicksalhaften Ereignissen der Vergangenheit, deren Erinnerung durch kulturelle Formungen wie Texte, Riten oder Denkm&#228;ler und durch eine institutionalisierte Kommunikation wach gehalten werden. Von den Fixpunkten geht eine bestimmte Orientierungskraft f&#252;r die Gegenwart aus, und so entsteht ein gemeinsamer Erfahrungs-, Erwartungs- und Handlungsraum (vgl. J.Assmann 1992: 16; J.Assmann 2005: 79 ff.).</p>
<p>Literatur:<br />
Assmann, Aleida, 1999: Erinnerungsr&#228;ume: Formen und Wandlungen des kulturellen Ged&#228;chtnisses. Broschierte Sonderausg. C. H. Beck Kulturwissenschaft. M&#252;nchen: Beck.</p>
<p>Assmann, Aleida, 2002: Vier Formen des Ged&#228;chtnisses. Erw&#228;gen, Wissen, Ethik, Heft 2: 183–190.</p>
<p>Assmann, Aleida, 2003: Pers&#246;nliche Erinnerung und kollektives Ged&#228;chtnis in Deutschland nach 1945. S. 126–138 in: Hans Erler (Hg.), Erinnern und Verstehen. Der V&#246;lkermord an den Juden im politischen Ged&#228;chtnis der Deutschen. Frankfurt am Main: Campus-Verlag</p>
<p>Assmann, Aleida, 2004: Das kulturelle Ged&#228;chtnis an der Milleniumsschwelle: Krise und Zukunft der Bildung. Konstanzer Universit&#228;tsreden, 216. Konstanz: Univ.Verlag Konstanz</p>
<p>Assmann, Aleida und Jan, 1994: Das Gestern im Heute. Medien des sozialen Ged&#228;chtnis. S. 114–140 in: Klaus Merten (Hg.), Die Wirklichkeit der Medien : eine Einf&#252;hrung in die Kommunikationswissenschaft. Opladen: Westdt. Verlag</p>
<p>Assmann, Jan, 1988: Kollektives Ged&#228;chtnis und kulturelle Identit&#228;t. S. 9–19 in: Jan Assmann und Tonio H&#246;lscher (Hg.), Kultur und Ged&#228;chtnis. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.</p>
<p>Assmann, Jan, 1992: Das kulturelle Ged&#228;chtnis: Schrift, Erinnerung und politische Identit&#228;t in fr&#252;hen Hochkulturen. C. H. Beck Kulturwissenschaft. M&#252;nchen: Beck.</p>
<p>Assmann, Jan, 1995: Erinnerung um dazuzugeh&#246;ren: Kulturelles Ged&#228;chtnis, Zugeh&#246;rigkeitsstruktur und normative Vergangenheit. S. 51–75 in: Kristin Platt (Hg.), Generation und Ged&#228;chtnis. Erinnerungen und kollektive Identit&#228;ten. Opladen: Leske + Budrich.</p>
<p>Assmann, Jan, 2005: Das kollektive Ged&#228;chtnis zwischen K&#246;rper und Schrift.: Zur Ged&#228;chtnistheorie von Maurice Halbwachs. S. 65–83 in: Hermann Krapoth (Hg.), Erinnerung und Gesellschaft. hommage à Maurice Halbwachs (1877 &#8211; 1945). Jahrbuch f&#252;r Soziologiegeschichte; 2005. Wiesbaden: VS Verlag f&#252;r Sozialwissenschaften</p>
<p>Assmann, Jan und Tonio H&#246;lscher (Hg.), 1988: Kultur und Ged&#228;chtnis. 1. Aufl. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.</p>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 20:05:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In diesem Blog wird der Begriff der Erinnerungskultur in unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Standpunkten beschrieben und diskutiert werden.
Gegenw&#228;rtig ist Erinnerungskultur ein geradezu gefl&#252;geltes Wort, so wird dieser Begriff in den unterschiedlichen Kontexten verwendet. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Eine Kultur die aus Erinnerungen besteht? Erinnerungen die von Kultur bestimmt sind? Eine Kultur, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In diesem Blog wird der Begriff der Erinnerungskultur in unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Standpunkten beschrieben und diskutiert werden.</p>
<p>Gegenw&#228;rtig ist Erinnerungskultur ein geradezu gefl&#252;geltes Wort, so wird dieser Begriff in den unterschiedlichen Kontexten verwendet. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Eine Kultur die aus Erinnerungen besteht? Erinnerungen die von Kultur bestimmt sind? Eine Kultur, die sich erinnert?</p>
<p>Im Mittelpunkt der Beitr&#228;ge steht vor allem die nationalsozialistische Vergangenheit mit besonderem Schwerpunkt der Shoah.</p>
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