Schlagwort: Erinnerung

Opfertausch in Buchenwald – Legende oder Wirklichkeit?

Die SZ online berichtet über den Prozess gegen Gedenkstettenleiter und Historiker Volkhard Knigge. Der wurde vom  ”Kind von Buchenwald” Stefan Jerzy Zweig verklagt. Der Überlebende des Holocaust sollte 1944 von Buchenwald nach Auschwitz deportiert werden. Sein Vater hat mit Hilfe kommunistischer Häftlinge seinen Abtransport verhindet. Volkhard Knigge verwendet für dieses Ereigniss den Begriff des “Opfertausches”, da Zweigs Name mit dem  des Sinti und Roma Jungen Willy Blum auf der Transportliste ersetzt wurde. Gegen diesen Begiff wehrt sich Zweig mit einer Klage. Das Verfahren endet mit einer Einigung: Knigge verspricht den Begriff Opfertausch nicht mehr zu verwenden. Nähere Infos hier:

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-buchenwald-gedenken-kz-ueberlebender-wehrt-sich-gegen-begriff-des-opfertauschs-1.1293326

Dieser Fall verdeutlicht, wie sehr die Erzählungen über vergangene Ereignisse sich widersprechen können bzw. widerstreitende Perspektiven inne haben können. Für Knigge als Historiker ist das Ereigniss des Opfertausches in Buchenwald “wirklich” und “wahr”, für den Holocaust-Überlebenden Zweig ist diese Interpretation der Ereignisse jedoch ein Angriff auf seine persönliche Erinnerung, indem  mit diesem Begriff ihm implizit eine Teilschuld gegeben wird an dem Tod des Jungen, der statt seiner nach Auschwitz transportiert wurde.

Transnationale Erinnerung an die Shoah

Wir befinden uns in einer Epoche des Gedenkens. Inzwischen gibt es in den unterschiedlichen Ländern auf der ganzen Welt, Holocaust Memorial Museums. Im Januar 2000 gab es eine internationale Holocaust-Konferenz in Stockholm, zu der ca. 600 Deligierte, darunter überwiegend europäische Politiker, Wissenschaftler und Zeitzeugen aus über 40 Nationen zusammen kamen. Den Abschluss dieser Konferenz bildet die Verabschiedung einer gemeinsamen Deklaration zur Bekämpfung jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Für viele Forscher bildet diese Konferenz einen Wendepunkt im Erinnerungsdiskurs, weg von nationalen hin zu globalen Gedächtnisformen.

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Maurice Halbwachs

Der französische Soziologe Maurice Halbwachs führte in den 1930er Jahren den Begriff des kollektiven Gedächtnisses. Mit diesem Begriff verwies er auf die soziale Bedingtheit von Erinnerung. D.h. jede Gruppe von Menschen erbringt eine gemeinsame Gedächtnisleistung und bildet so ein kollektives Erinnern heraus, welches im individuellen Bewusstsein verwirklicht wird.

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Das kulturelle Gedächtnis

Gemeinsam mit seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann, begründete der Ägyptologe Jan Assmann den Begriff des kulturellen Gedächtnisses. Die in der Definition dieses Begriffes enthaltene grundlegende Annahme ist, dass sich das Bewusstsein und das Gedächtnis des Einzelnen nur durch die Teilnahme an Interaktionen und kommunikativen Prozessen mit anderen Individuen aufbauen können. Damit folgen Assmanns dem Soziologen Maurice Halbwachs.

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Einführung

In diesem Blog wird der Begriff der Erinnerungskultur in unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Standpunkten beschrieben und diskutiert werden.

Gegenwärtig ist Erinnerungskultur ein geradezu geflügeltes Wort, so wird dieser Begriff in den unterschiedlichen Kontexten verwendet. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Eine Kultur die aus Erinnerungen besteht? Erinnerungen die von Kultur bestimmt sind? Eine Kultur, die sich erinnert?

Im Mittelpunkt der Beiträge steht vor allem die nationalsozialistische Vergangenheit mit besonderem Schwerpunkt der Shoah.